Dein Rei­fungs­weg – Teil 1 | Ori­en­tie­rung statt Selbstoptimierung

Der Rei­fungs­weg

– Teil 1: Ori­en­tie­rung statt Selbst­op­ti­mie­rung
Teil 2: Der Rück­blick als Stand­ort­be­stim­mung
Teil 3: Innere Aus­rich­tung statt Jahresplanung

SEF-001

Der Rei­fungs­weg eines Men­schen.
Warum es sich lohnt, über das große Ganze zu sprechen

Viel­leicht bist du hier, weil dich deine Gefühle manch­mal über­rol­len. Oder weil du merkst, dass dein Kopf kaum noch zur Ruhe kommt. Viel­leicht setzt du dich selbst stän­dig unter Druck, fühlst dich für zu vie­les ver­ant­wort­lich oder hast Schwie­rig­kei­ten, deine Gren­zen recht­zei­tig zu spü­ren. Viel­leicht zwei­felst du an dir oder fragst dich, warum du in bestimm­ten Situa­tio­nen immer wie­der ähn­lich reagierst, obwohl du es eigent­lich anders möch­test.

Genau um sol­che The­men geht es hier.

Ich arbeite seit über 15 Jah­ren mit Men­schen, die an genau die­sen Punk­ten ste­hen. Und ich kenne diese Fra­gen sehr gut aus mei­nem eige­nen Leben. Was mir dabei immer kla­rer gewor­den ist: Es reicht nicht, nur an ein­zel­nen Pro­ble­men zu arbei­ten, son­dern es braucht ein grö­ße­res Bild.

Gleich­zei­tig ist mir etwas wich­tig: Wenn wir nur ver­su­chen, ein­zelne Pro­bleme mög­lichst schnell zu lösen, ver­lie­ren wir leicht den Blick für den grö­ße­ren Zusam­men­hang, in dem diese The­men über­haupt ent­ste­hen.

Denn Gefühle, Gedan­ken­mus­ter, innere Antrei­ber oder die Schwie­rig­keit, Gren­zen zu set­zen, tau­chen nicht zufäl­lig auf. Sie ent­ste­hen aus frü­he­ren Erfah­run­gen und Prä­gun­gen und beglei­ten dich oft unbe­wusst durchs Leben, bis du anfängst, dich bewusst damit auseinanderzusetzen.

Warum ich dir heute ein grö­ße­res Bild anbie­ten möchte

Viele Men­schen kom­men mit einem kon­kre­ten Anlie­gen zu mir: Sie wol­len weni­ger grü­beln, mehr innere Ruhe spü­ren, bes­sere Gren­zen set­zen oder mehr Selbst­ver­trauen ent­wi­ckeln.
Das ist nach­voll­zieh­bar und oft auch der rich­tige Ein­stieg.

Was dabei leicht pas­siert: Wir schrau­ben an Sym­pto­men herum, suchen Tech­ni­ken und pro­bie­ren noch etwas aus. Und mer­ken irgend­wann, dass es zwar kurz­fris­tig hilft, aber die Dyna­mik bestehen bleibt.

Weil wir am Sym­ptom arbei­ten, nicht am Mus­ter selbst.

Das war auch lange meine Her­an­ge­hens­weise: Mus­ter erken­nen, Pro­bleme lösen, Sym­ptome bear­bei­ten. Bis ich gemerkt habe: Das allein reicht nicht. Was ich dir hier anbie­ten möchte, geht einen Schritt wei­ter: ein grö­ße­res Bild davon, wie Ent­wick­lung tat­säch­lich ver­läuft und wie du dich darin bewusst ori­en­tie­ren und aus­rich­ten kannst.

Denn Ent­wick­lung pas­siert nicht nur, wenn wir aktiv an Pro­ble­men arbei­ten. Sie pas­siert gerade durch das Leben selbst: durch Ver­än­de­run­gen, die wir nicht aus­ge­sucht haben, durch Situa­tio­nen, die uns for­dern, durch Rei­bung, die uns rei­fen lässt. Die Frage ist: Wie gehst du damit um?

Du lernst zu unter­schei­den, wo Wider­stand Ener­gie kos­tet und wo bewuss­tes Han­deln sinn­voll ist. Du lernst zu ver­ste­hen, wo du auf dei­nem Weg stehst. Und du ent­wi­ckelst eine kla­rere Vor­stel­lung davon, wohin du dein Leben grund­sätz­lich aus­rich­ten willst.

Nicht nur als schnelle Lösung für ein ein­zel­nes Pro­blem. Son­dern als innere Ori­en­tie­rung für den Weg, der vor dir liegt.

Ent­wick­lung ver­läuft sel­ten linear, son­dern in Phasen

Viele von uns haben eine bestimmte Vor­stel­lung von inne­rer Entwicklung.

  • Wenn es sich ein­mal sta­bil anfühlt, dann bleibt es so.
  • Wenn wir etwas ver­stan­den haben, ist das Thema erledigt.
  • Und wenn wir uns wei­ter­ent­wi­ckeln, dann geht es Schritt für Schritt voran.

Die­ses Bild ist nahe­lie­gend und es passt gut zu dem Wunsch nach Klar­heit und Ver­läss­lich­keit.
Mit mensch­li­cher Ent­wick­lung hat es jedoch nur bedingt zu tun.

Psy­cho­lo­gisch gese­hen ver­läuft Ent­wick­lung in Pha­sen. Es gibt Zei­ten, in denen vie­les ruhig läuft. Und es gibt Zei­ten, in denen es unru­hi­ger wird, gedank­lich, emo­tio­nal und kör­per­lich.

Manch­mal, weil sich im Inne­ren etwas ver­än­dert und das, was lange gut funk­tio­niert hat, nicht mehr ganz zu den eige­nen Bedürf­nis­sen passt.
Und manch­mal, weil sich das Leben im Außen ver­än­dert. Weil sich Rol­len ver­schie­ben, Bezie­hun­gen einen ande­ren Platz bekom­men oder Lebens­um­stände sich wan­deln.

Diese Wech­sel sind nor­mal und gehö­ren zur mensch­li­chen Ent­wick­lung dazu.
Ent­schei­dend ist nicht, ob diese Pha­sen auf­tre­ten. Die Frage ist: Wie begeg­nest du ihnen?

Der Rei­fungs­weg: ein Bild, das Ent­wick­lung greif­bar macht

Um diese Dyna­mik greif­ba­rer zu machen, spre­che ich gerne vom Rei­fungs­weg eines Men­schen.
Ein Weg ist nichts, das man ein­mal beginnt und dann fer­tig hat. Ein Weg besteht aus Abschnit­ten. Man­che gehen sich leicht, andere for­dern mehr Auf­merk­sam­keit. Und manch­mal führt er durch Gelände, das du nicht aus­ge­sucht hät­test, aber trotz­dem gehen musst.

Die­ses Bild hilft zu ver­ste­hen: Ent­wick­lung ist kein Pro­jekt, das du abschließt. Es ist ein Weg, der dich durchs Leben beglei­tet.

Mir hat die­ses Bild gehol­fen, mein eige­nes Leben und auch die Men­schen, mit denen ich arbeite, anders zu ver­ste­hen. Nicht als linea­ren Weg, son­dern als etwas, das Pha­sen hat und das uns immer wie­der neu herausfordert.

Weg­ab­schnitte: Sta­bi­li­tät, Erkun­den, Veränderung

Wenn du dein Leben als Rei­fungs­weg betrach­test, gibt es unter­schied­li­che Weg­ab­schnitte.
Kei­ner davon ist bes­ser als die ande­ren, son­dern sie haben unter­schied­li­che Funktionen.

Abschnitte, in denen es ein­fach läuft

Das sind Zei­ten, in denen du in dei­nem Leben ange­kom­men bist. Du kennst deine Rou­ti­nen. Du weißt, was dir gut tut. Du kannst dich auf dich ver­las­sen. Es ist viel­leicht nicht alles per­fekt, aber ganz ok.

In sol­chen Abschnit­ten ist Ent­wick­lung nicht spek­ta­ku­lär. Sie ent­steht durch Wie­der­ho­lung und All­tag, durch das, was du immer wie­der tust und dadurch vertiefst.

Abschnitte, in denen du erkun­dest und dir Neues erschließt

Das sind Zei­ten, in denen du etwas Neues lernst: eine neue Rolle, eine neue Auf­gabe, oder in denen du dich auf eine neue Lebens­si­tua­tion ein­stellst. Du pro­bierst aus, jus­tierst und ent­deckst viel­leicht neue Sei­ten an dir.

Sol­che Pha­sen sind leben­dig und anstren­gend. Noch läuft nichts auto­ma­tisch, du musst vie­les bewusst steuern.

Abschnitte, in denen du spürst: So wie bis­her trägt es nicht mehr richtig

Das sind Zei­ten, in denen das Alte nicht mehr passt, aber das Neue noch nicht klar ist. Anders als beim Erkun­den gibt es hier keine kon­krete neue Situa­tion, an die du dich anpas­sen kannst. Du weißt nur: Es muss sich etwas ändern, aber noch nicht, was genau.

Manch­mal zeigt sich das als innere Unruhe. Manch­mal als Wider­stand oder Gereizt­heit. Manch­mal als Erschöp­fung. Oder als Gefühl von ich muss etwas ändern“, ohne zu wis­sen, was genau.

Sol­che Pha­sen sind anstren­gend und oft auch ver­un­si­chernd. Sie brau­chen mehr Auf­merk­sam­keit als andere Weg­ab­schnitte, weil du dich neu ori­en­tie­ren musst, ohne dass schon klar ist, wohin.

Das sind oft die Pha­sen, in denen Men­schen begin­nen, sich inten­si­ver mit Selbst­füh­rung zu beschäftigen.

Ent­schei­dun­gen tref­fen, auch wenn nicht alles klar ist

Inner­halb die­ser Weg­ab­schnitte gibt es immer wie­der Momente, in denen eine Ent­schei­dung ansteht ohne dass sich klar anfühlt, was rich­tig ist. Oder Momente, in denen du sehr genau weißt, was du ent­schei­den müss­test, es dir aber schwer­fällt, den Schritt zu gehen.

Sage ich heute Nein oder wie­der Ja? Wie gehe ich mit die­sem Kon­flikt in der Fami­lie um? Bleibe ich in die­sem Job oder suche mir eine neue Arbeit?

Die Fra­gen haben unter­schied­li­ches Gewicht, aber alle ver­lan­gen eine Ant­wort.

Und glaub mir, ich kenne das auch sehr gut: Diese Momente, in denen ich genau wusste, was ich ent­schei­den müsste und es trotz­dem nicht getan habe. Ein­fach weil die Angst grö­ßer war. Das gehört halt auch dazu.

Wich­ti­ger als die per­fekte Ent­schei­dung ist oft die Fähig­keit, zu spü­ren, was dir wich­tig ist, und danach zu han­deln. Auch wenn Angst oder Unsi­cher­heit dich zurück­hal­ten wollen.

Was das mit dei­nen kon­kre­ten The­men zu tun hat

Je nach­dem, wo du auf dei­nem Rei­fungs­weg stehst, wer­den unter­schied­li­che innere The­men stär­ker spür­bar. Die The­men selbst – deine Prä­gun­gen, deine Mus­ter – sind immer da. Aber in bestimm­ten Pha­sen tre­ten sie deut­li­cher hervor:

  • In Pha­sen von Neu­ori­en­tie­rung wer­den Gefühle oft inten­si­ver. Das Ner­ven­sys­tem ist akti­ver, weil es sich anpas­sen muss.
  • Gedan­ken­krei­sen und men­tale Unruhe neh­men zu, wenn die innere Klar­heit noch fehlt oder wenn du ver­suchst, durch Den­ken Sicher­heit zu erzeu­gen.
  • Innere Antrei­ber mel­den sich beson­ders laut, wenn alte Maß­stäbe nicht mehr pas­sen, du dich aber noch nicht traust, neue zu setzen.
  • Fra­gen zur Abgren­zung tau­chen dort auf, wo sich dein Stand­ort ver­än­dert: Was ist mir zu viel? Was brau­che ich wirklich?
  • Selbst­zwei­fel wer­den häu­fig dann stark, wenn du an einer Weg­ga­be­lung stehst und spürst: Ich kann mich nicht mehr auf das Bewährte verlassen.

Das bedeu­tet: Wenn du lernst, mit die­sen Mus­tern umzu­ge­hen, wird nicht nur die aktu­elle Phase leich­ter. Du ent­wi­ckelst Fähig­kei­ten, die dir auch in zukünf­ti­gen Über­gän­gen hel­fen.

Denn diese Mus­ter wer­den dir immer wie­der begeg­nen, in jeder neuen Phase, in jedem Über­gang. Je bes­ser du sie ver­stehst und bear­bei­test, desto leich­ter kannst du mit Ver­än­de­run­gen umgehen.

Warum wir nicht aktio­nis­tisch an Pro­ble­men her­um­ar­bei­ten sollten

Ich bin selbst ein hand­lungs­ori­en­tier­ter Mensch und mich ent­las­tet es, wenn ich in Bewe­gung komme und etwas tue oder angehe. Und ich sehe das auch in mei­ner Arbeit: Viele Men­schen haben genau die­sen Impuls: Hand­lung, nicht nur Refle­xion.


Aber es gibt einen Unter­schied zwi­schen Hand­lung und Aktio­nis­mus.

Aktio­nis­mus ent­steht aus dem Impuls: Das muss weg und zwar mög­lichst schnell. Zum Bei­spiel diese Unruhe, der Druck oder die Zwei­fel. Und manch­mal ist kurz­fris­tige Ent­las­tung auch genau rich­tig.
Manch­mal brauchst du diese Regu­la­tion, bevor du über­haupt klar den­ken kannst.

Was ich aber immer wie­der erlebe: Wenn wir nur ver­su­chen, Sym­ptome zu besei­ti­gen, über­se­hen wir etwas. Wir behan­deln innere The­men wie Stö­run­gen, die man schnell behebt. Und dann läuft doch wie­der alles wei­ter wie vorher.

So funk­tio­niert mensch­li­che Ent­wick­lung nicht.

Wenn Ent­wick­lung pha­sen­haft ver­läuft, brau­chen wir mehr als schnelle Lösun­gen: Wir brau­chen Ori­en­tie­rung.


Ori­en­tie­rung ent­steht, wenn du inne­hältst und zwei Fra­gen stellst:

🔶 Ers­tens: Durch Rück­blick.
Wo stehe ich gerade? Wo komme ich her? Was hat mich in die­sem Jahr geprägt?

🔶 Zwei­tens: Durch Vor­aus­schau.
Wohin will ich? Was braucht der nächste Wegabschnitt?

Darum geht es in den nächs­ten bei­den Arti­keln: Rück­blick und Vor­aus­schau, nicht als Bilanz und Pla­nung, son­dern als Ori­en­tie­rung auf dem Rei­fungs­weg.

Der nächste Arti­kel wid­met sich dem Rück­blick als Stand­ort­be­stim­mung: Wo stand ich in die­sem Jahr auf mei­nem Weg? Was hat mich geprägt? Was ist gereift?

Danach geht es um Vor­aus­schau als innere Aus­rich­tung: Was braucht der nächste Wegabschnitt?

Drei Schritte, die zusam­men­ge­hö­ren: Ver­ste­hen, wo du stehst. Zurück­bli­cken, wo du her­kommst. Aus­rich­ten, wohin du gehst.

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Portrait Marion Wandke

Marion Wandke

Seit über 15 Jahren beschäftige ich mich mit der Frage, wie Menschen in komplexen Lebensphasen innerlich klar und handlungsfähig bleiben können. Mich interessieren besonders die Wechselwirkungen zwischen Denken, Fühlen und Körperwahrnehmung – dort, wo Selbstregulation gefordert ist.

Ich arbeite heute als Resilienz-Coachin mit Fokus auf humanistischer Psychologie und Psychotherapie, Neurowissenschaften und Embodiment. Mein Schwerpunkt liegt auf Selbstführung und Selbstregulation als Schlüsselkompetenz. Ich bin überzeugt, dass echte innere Stärke aus Klarheit, Werteorientierung und Selbstführung entsteht.

Mehr über mich und meine Arbeit findest du auf meiner „Über-mich“-Seite.