Dein Rei­fungs­weg – Teil 3 | Innere Aus­rich­tung statt Jahresplanung

Dein Rei­fungs­weg

Teil 1: Ori­en­tie­rung statt Selbst­op­ti­mie­rung
Teil 2: Der Rück­blick als Stand­ort­be­stim­mung
Teil 3: Innere Aus­rich­tung statt Jahresplanung

SEF-003

Der Rei­fungs­weg eines Men­schen.
Die innere Aus­rich­tung entwickeln.

Du erin­nerst dich an die Kli­en­tin aus dem letz­ten Arti­kel? Ihre Stand­ort­be­stim­mung hatte sicht­bar gemacht, wo sie steht und was sich in die­sem Jahr ver­än­dert hat. Sie hatte erkannt, dass ihre alte Mus­ter so nicht mehr trag­fä­hig sind und dass sie an einer Schwelle steht.

Jetzt stellte sich die nächste Frage: Wohin will ich mich entwickeln?

Nicht: Wel­che Ziele setze ich mir?

Nicht: Was muss ich erreichen?

Son­dern: Was will ich in mir verändern?

Diese Frage führte sie zur inne­ren Aus­rich­tung.

Was innere Aus­rich­tung bedeutet

Innere Aus­rich­tung bedeu­tet, eine Rich­tung zu erken­nen, in die du dich ent­wi­ckeln möch­test. Es geht nicht darum, kon­krete Ziele zu for­mu­lie­ren oder Pläne zu erstel­len.

Es geht darum, zu spü­ren: Was ist für mich jetzt der nächste Schritt? Was brau­che ich, um wei­ter­zu­kom­men?

Innere Aus­rich­tung ent­steht aus der Stand­ort­be­stim­mung her­aus. Wenn du weißt, wo du stehst und was sich ver­än­dert hat, kannst du erken­nen, wohin du dich bewe­gen willst.


Die Kli­en­tin hatte durch ihren Rück­blick gese­hen: Ich habe in die­sem Jahr viel Ver­ant­wor­tung über­nom­men und das oft über meine Gren­zen hin­aus. Ich habe mich um andere geküm­mert und mich selbst hin­ten­an­ge­stellt.


Aus die­ser Erkennt­nis her­aus ent­wi­ckelte sich ihre innere Aus­rich­tung: Ich will ler­nen, meine eige­nen Gren­zen frü­her zu spü­ren und sie zu ver­tre­ten.


Das ist kein mess­ba­res Ziel. Es ist eine innere Ent­wick­lungs­rich­tung.

Der Unter­schied zwi­schen Ziel­set­zung und inne­rer Ausrichtung

Viel­leicht kennst du auch aus dei­nem beruf­li­chen Kon­text Jah­res- oder Pro­jekt­pla­nun­gen: Ziele set­zen, Mei­len­steine defi­nie­ren, Maß­nah­men fest­le­gen, Bud­get pla­nen usw. Das ist in die­sen Zusam­men­hän­gen durch­aus rich­tig und bewährt.

Ich habe mich selbst über 10 Jahre als Füh­rungs­kraft und Pro­jekt­lei­te­rin inten­siv damit beschäftigt. 😅

Aber für die per­sön­li­che Ent­wick­lung funk­tio­niert das anders.


Ziel­set­zung fragt: Was will ich erreichen?

Innere Aus­rich­tung fragt: Wie will ich mich entwickeln?


Ziel­set­zung misst: Habe ich das Ziel erreicht?

Innere Aus­rich­tung beob­ach­tet: Hat sich etwas ver­än­dert? Bin ich in Bewegung?


Ziel­set­zung plant: Was muss ich tun, um das Ziel zu erreichen?

Innere Aus­rich­tung spürt: Was ist jetzt der nächste stim­mige Schritt?


Du merkst es schon an der Wort­wahl: beob­ach­ten statt mes­sen, spü­ren statt pla­nen. Hier geht es also stark um innere Wahr­neh­mung.

Die Kli­en­tin hätte sich vor­neh­men kön­nen: Ich sage drei­mal pro Woche Nein.“ Das wäre ein Ziel.

Statt­des­sen rich­tete sie sich inner­lich aus: Ich will ler­nen, meine Gren­zen frü­her zu spü­ren.“ Das ist eine Entwicklungsrichtung.

Und dar­aus, dass sie über Wahr­neh­mung Bewusst­heit erlangt, ermög­licht ihr dann, nach und nach in ihrem Ver­hal­ten eine deut­lich nach außen sicht­bare Ver­än­de­rung vorzunehmen.

Das klappt nicht mit rei­ner Dis­zi­plin oder Willenskraft.

Wie innere Aus­rich­tung kon­kret entsteht

Innere Aus­rich­tung ist nichts, was man sich aus­denkt. Sie ent­steht aus der ehr­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst.

Die Kli­en­tin hatte in ihrer Stand­ort­be­stim­mung erkannt, dass sie immer wie­der über ihre Gren­zen geht. Jetzt fragte sie sich:

Was brau­che ich, um das zu ver­än­dern?

Sie merkte: Ich muss frü­her spü­ren, wann es mir zu viel wird. Und ich muss ler­nen, das auch aus­zu­spre­chen.

Das war ihre innere Aus­rich­tung.


Sie ent­wi­ckelte keine To-do-Liste oder setzte sich irgend­ein Datum. Sie for­mu­lierte auch kei­nen Plan.


Sie rich­tete sich inner­lich aus: Das ist die Ent­wick­lungs­rich­tung, in die ich gehen will.


Und aus die­ser Aus­rich­tung her­aus ent­stan­den dann ganz kon­krete Schritte. 

Du siehst den Unter­schied: Nicht als Vor­satz, son­dern als natür­li­che Folge, Schritt für Schritt.

  • Sie begann, in Momen­ten inne­zu­hal­ten, in denen sie merkte: Hier mel­det sich ein Trigger.
  • Sie übte, das, was sie spürte, auch zu benen­nen.
  • Sie lernte nach und nach, sich anders zu ver­hal­ten und frü­her Nein zu sagen.

Du siehst: Das Ganze ist ein Ent­wick­lungs­pro­zess, der eine feste Absicht braucht. Er braucht Geduld und Aus­dauer und du darfst dich auch von Rück­schrit­ten nicht abhal­ten lassen.

Und dann kommt der magi­sche Moment, in denen du das neue Ver­hal­ten ein­fach so“ umsetzt. ✨

Fra­gen zur inne­ren Ausrichtung

Wenn du für dich eine innere Aus­rich­tung ent­wi­ckeln willst, kön­nen dir diese Fra­gen helfen:

Was habe ich durch meine Stand­ort­be­stim­mung erkannt?

Was hat sich gezeigt? Was ist mir kla­rer geworden?

Was will ich loslassen?

Wel­che Mus­ter, Über­zeu­gun­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen tra­gen mich nicht mehr oder tun mir nicht gut?

Was will ich stärken?

Wel­che Fähig­kei­ten, Hal­tun­gen oder Qua­li­tä­ten möchte ich entwickeln?

Wie will ich mit mir selbst umgehen?

Will ich nach­sich­ti­ger sein? Kla­rer? Gedul­di­ger? Konsequenter?

Was brau­che ich, um mich in diese Rich­tung zu bewegen?

Zeit? Unter­stüt­zung? Übung? Raum?

Woran werde ich mer­ken, dass ich auf die­sem Weg bin?

Wel­che Zei­chen, Momente oder Ver­än­de­run­gen zei­gen mir, dass sich etwas bewegt?

Diese Fra­gen zie­len nicht auf Ergeb­nisse ab, son­dern auf innere Ent­wick­lung.

Wie innere Aus­rich­tung auf dem Rei­fungs­weg wirkt

Wenn du ver­stehst, dass Ent­wick­lung in Pha­sen ver­läuft, ver­än­dert sich auch dein Blick auf das kom­mende Jahr.

Du fragst nicht mehr: Was muss ich bis Ende des Jah­res erreicht haben? Son­dern: Wohin will ich mich in die­sem Jahr entwickeln?

Du fragst nicht mehr: Wel­che kon­kre­ten Ziele setze ich mir? Son­dern: Wel­che innere Hal­tung will ich stärken?

Du fragst nicht mehr: Habe ich meine Vor­sätze ein­ge­hal­ten? Son­dern: Bin ich auf mei­nem Weg geblieben?

Das ist der Unter­schied zwi­schen Pla­nung und inne­rer Aus­rich­tung.
Pla­nung misst Ergeb­nisse.
Innere Aus­rich­tung trägt dei­nen Weg.

Für mich war das eine der wich­tigs­ten Erkennt­nisse mei­ner eige­nen Entwicklung:

Nicht mehr zu fra­gen: Was muss ich schaf­fen? Son­dern: Wer will ich werden?

Und diese innere Rich­tung ent­steht genau dann, wenn ich zurück­bli­cke und erkenne: Hier stehe ich. Und von hier aus kann ich spü­ren, wohin ich will.

Was das für deine innere Aus­rich­tung bedeutet

Wenn du jetzt – am Ende oder am Anfang eines Jah­res oder irgend­wann mit­ten­drin – eine innere Aus­rich­tung ent­wi­ckeln willst, dann brauchst du keine Zieleliste.

Es geht darum zu spü­ren: Wohin will ich mich ent­wi­ckeln? Wel­che innere Hal­tung will ich stär­ken? Wer will ich werden?

Das ist keine schnelle Übung. Es braucht Zeit, Ruhe und die Bereit­schaft, ehr­lich nach innen zu schauen. Auch auf das, was noch nicht klar ist.

Auch ich habe ziem­lich lange gebraucht, um diese Art der Vor­aus­schau für mich zu ent­wi­ckeln. Nicht: Was muss ich errei­chen? Son­dern: Wie will ich sein?

Aber genau darin liegt die Kraft: Eine innere Aus­rich­tung gibt dir Rich­tung, ohne dich unter Druck zu set­zen. Sie trägt dich durch Pha­sen der Ver­än­de­rung, weil sie nicht an Ergeb­nis­sen hängt, son­dern an dem, was in dir wach­sen will.

Die drei Schritte des Rei­fungs­wegs im Zusammenhang

Jetzt siehst du, wie die drei Teile die­ser Serie zusammengehören:

Teil 1: Ori­en­tie­rung statt Selbstoptimierung

Ent­wick­lung ver­läuft in Pha­sen. Es geht nicht darum, dich zu opti­mie­ren, son­dern zu ver­ste­hen, wo du auf dei­nem Rei­fungs­weg stehst.

Teil 2: Der Rück­blick als Standortbestimmung

Durch bewuss­tes Zurück­schauen erkennst du, wo du stehst. Der Rück­blick zeigt dir, was sich ver­än­dert hat und was das über dei­nen aktu­el­len Stand­ort aussagt.

Teil 3: Innere Aus­rich­tung statt Jahresplanung

Aus der Stand­ort­be­stim­mung her­aus ent­wi­ckelst du eine innere Aus­rich­tung: Wohin will ich mich ent­wi­ckeln? Nicht als Plan, son­dern als innere Ent­wick­lungs­rich­tung.

Diese drei Schritte bil­den eine Ein­heit: Ver­ste­hen, wo du stehst. Erken­nen, wo du her­kommst. Spü­ren, wohin du willst.


Die­ser Arti­kel gehört zum The­men­be­reich Selbstführung.

👉 Hier fin­dest du die The­men­seite Selbst­füh­rung – Ori­en­tie­rung für einen bewuss­ten Umgang mit dir selbst“

Danke,

dass du diese drei Schritte mit mir gegan­gen bist. Es freut mich, wenn du für dich etwas mit­neh­men konn­test – sei es eine neue Per­spek­tive, eine Frage oder ein­fach die Erlaub­nis, Ent­wick­lung mal anders zu denken.

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Portrait Marion Wandke

Marion Wandke

Seit über 15 Jahren beschäftige ich mich mit der Frage, wie Menschen in komplexen Lebensphasen innerlich klar und handlungsfähig bleiben können. Mich interessieren besonders die Wechselwirkungen zwischen Denken, Fühlen und Körperwahrnehmung – dort, wo Selbstregulation gefordert ist.

Ich arbeite heute als Resilienz-Coachin mit Fokus auf humanistischer Psychologie und Psychotherapie, Neurowissenschaften und Embodiment. Mein Schwerpunkt liegt auf Selbstführung und Selbstregulation als Schlüsselkompetenz. Ich bin überzeugt, dass echte innere Stärke aus Klarheit, Werteorientierung und Selbstführung entsteht.

Mehr über mich und meine Arbeit findest du auf meiner „Über-mich“-Seite.