Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Selbstführung.
Dein Reifungsweg
– Teil 1: Orientierung statt Selbstoptimierung
– Teil 2: Der Rückblick als Standortbestimmung
– Teil 3: Innere Ausrichtung statt Jahresplanung
Der Reifungsweg eines Menschen.
Die innere Ausrichtung entwickeln.
Du erinnerst dich an die Klientin aus dem letzten Artikel? Ihre Standortbestimmung hatte sichtbar gemacht, wo sie steht und was sich in diesem Jahr verändert hat. Sie hatte erkannt, dass ihre alte Muster so nicht mehr tragfähig sind und dass sie an einer Schwelle steht.
Jetzt stellte sich die nächste Frage: Wohin will ich mich entwickeln?
Nicht: Welche Ziele setze ich mir?
Nicht: Was muss ich erreichen?
Sondern: Was will ich in mir verändern?
Diese Frage führte sie zur inneren Ausrichtung.
Was innere Ausrichtung bedeutet
Innere Ausrichtung bedeutet, eine Richtung zu erkennen, in die du dich entwickeln möchtest. Es geht nicht darum, konkrete Ziele zu formulieren oder Pläne zu erstellen.
Es geht darum, zu spüren: Was ist für mich jetzt der nächste Schritt? Was brauche ich, um weiterzukommen?
Innere Ausrichtung entsteht aus der Standortbestimmung heraus. Wenn du weißt, wo du stehst und was sich verändert hat, kannst du erkennen, wohin du dich bewegen willst.
Die Klientin hatte durch ihren Rückblick gesehen: Ich habe in diesem Jahr viel Verantwortung übernommen und das oft über meine Grenzen hinaus. Ich habe mich um andere gekümmert und mich selbst hintenangestellt.
Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte sich ihre innere Ausrichtung: Ich will lernen, meine eigenen Grenzen früher zu spüren und sie zu vertreten.
Das ist kein messbares Ziel. Es ist eine innere Entwicklungsrichtung.
Der Unterschied zwischen Zielsetzung und innerer Ausrichtung
Vielleicht kennst du auch aus deinem beruflichen Kontext Jahres- oder Projektplanungen: Ziele setzen, Meilensteine definieren, Maßnahmen festlegen, Budget planen usw. Das ist in diesen Zusammenhängen durchaus richtig und bewährt.
Ich habe mich selbst über 10 Jahre als Führungskraft und Projektleiterin intensiv damit beschäftigt. 😅
Aber für die persönliche Entwicklung funktioniert das anders.
Zielsetzung fragt: Was will ich erreichen?
Innere Ausrichtung fragt: Wie will ich mich entwickeln?
Zielsetzung misst: Habe ich das Ziel erreicht?
Innere Ausrichtung beobachtet: Hat sich etwas verändert? Bin ich in Bewegung?
Zielsetzung plant: Was muss ich tun, um das Ziel zu erreichen?
Innere Ausrichtung spürt: Was ist jetzt der nächste stimmige Schritt?
Du merkst es schon an der Wortwahl: beobachten statt messen, spüren statt planen. Hier geht es also stark um innere Wahrnehmung.
Die Klientin hätte sich vornehmen können: „Ich sage dreimal pro Woche Nein.“ Das wäre ein Ziel.
Stattdessen richtete sie sich innerlich aus: „Ich will lernen, meine Grenzen früher zu spüren.“ Das ist eine Entwicklungsrichtung.
Und daraus, dass sie über Wahrnehmung Bewusstheit erlangt, ermöglicht ihr dann, nach und nach in ihrem Verhalten eine deutlich nach außen sichtbare Veränderung vorzunehmen.
Das klappt nicht mit reiner Disziplin oder Willenskraft.
Wie innere Ausrichtung konkret entsteht
Innere Ausrichtung ist nichts, was man sich ausdenkt. Sie entsteht aus der ehrlichen Auseinandersetzung mit sich selbst.
Die Klientin hatte in ihrer Standortbestimmung erkannt, dass sie immer wieder über ihre Grenzen geht. Jetzt fragte sie sich:
Was brauche ich, um das zu verändern?
Sie merkte: Ich muss früher spüren, wann es mir zu viel wird. Und ich muss lernen, das auch auszusprechen.
Das war ihre innere Ausrichtung.
Sie entwickelte keine To-do-Liste oder setzte sich irgendein Datum. Sie formulierte auch keinen Plan.
Sie richtete sich innerlich aus: Das ist die Entwicklungsrichtung, in die ich gehen will.
Und aus dieser Ausrichtung heraus entstanden dann ganz konkrete Schritte.
Du siehst den Unterschied: Nicht als Vorsatz, sondern als natürliche Folge, Schritt für Schritt.
Du siehst: Das Ganze ist ein Entwicklungsprozess, der eine feste Absicht braucht. Er braucht Geduld und Ausdauer und du darfst dich auch von Rückschritten nicht abhalten lassen.
Und dann kommt der magische Moment, in denen du das neue Verhalten „einfach so“ umsetzt. ✨
Fragen zur inneren Ausrichtung
Wenn du für dich eine innere Ausrichtung entwickeln willst, können dir diese Fragen helfen:
Was habe ich durch meine Standortbestimmung erkannt?
Was hat sich gezeigt? Was ist mir klarer geworden?
Was will ich loslassen?
Welche Muster, Überzeugungen oder Verhaltensweisen tragen mich nicht mehr oder tun mir nicht gut?
Was will ich stärken?
Welche Fähigkeiten, Haltungen oder Qualitäten möchte ich entwickeln?
Wie will ich mit mir selbst umgehen?
Will ich nachsichtiger sein? Klarer? Geduldiger? Konsequenter?
Was brauche ich, um mich in diese Richtung zu bewegen?
Zeit? Unterstützung? Übung? Raum?
Woran werde ich merken, dass ich auf diesem Weg bin?
Welche Zeichen, Momente oder Veränderungen zeigen mir, dass sich etwas bewegt?
Diese Fragen zielen nicht auf Ergebnisse ab, sondern auf innere Entwicklung.
Wie innere Ausrichtung auf dem Reifungsweg wirkt
Wenn du verstehst, dass Entwicklung in Phasen verläuft, verändert sich auch dein Blick auf das kommende Jahr.
Du fragst nicht mehr: Was muss ich bis Ende des Jahres erreicht haben? Sondern: Wohin will ich mich in diesem Jahr entwickeln?
Du fragst nicht mehr: Welche konkreten Ziele setze ich mir? Sondern: Welche innere Haltung will ich stärken?
Du fragst nicht mehr: Habe ich meine Vorsätze eingehalten? Sondern: Bin ich auf meinem Weg geblieben?
Das ist der Unterschied zwischen Planung und innerer Ausrichtung.
Planung misst Ergebnisse.
Innere Ausrichtung trägt deinen Weg.
Für mich war das eine der wichtigsten Erkenntnisse meiner eigenen Entwicklung:
Nicht mehr zu fragen: Was muss ich schaffen? Sondern: Wer will ich werden?
Und diese innere Richtung entsteht genau dann, wenn ich zurückblicke und erkenne: Hier stehe ich. Und von hier aus kann ich spüren, wohin ich will.
Was das für deine innere Ausrichtung bedeutet
Wenn du jetzt – am Ende oder am Anfang eines Jahres oder irgendwann mittendrin – eine innere Ausrichtung entwickeln willst, dann brauchst du keine Zieleliste.
Es geht darum zu spüren: Wohin will ich mich entwickeln? Welche innere Haltung will ich stärken? Wer will ich werden?
Das ist keine schnelle Übung. Es braucht Zeit, Ruhe und die Bereitschaft, ehrlich nach innen zu schauen. Auch auf das, was noch nicht klar ist.
Auch ich habe ziemlich lange gebraucht, um diese Art der Vorausschau für mich zu entwickeln. Nicht: Was muss ich erreichen? Sondern: Wie will ich sein?
Aber genau darin liegt die Kraft: Eine innere Ausrichtung gibt dir Richtung, ohne dich unter Druck zu setzen. Sie trägt dich durch Phasen der Veränderung, weil sie nicht an Ergebnissen hängt, sondern an dem, was in dir wachsen will.
Die drei Schritte des Reifungswegs im Zusammenhang
Jetzt siehst du, wie die drei Teile dieser Serie zusammengehören:
Teil 1: Orientierung statt Selbstoptimierung
Entwicklung verläuft in Phasen. Es geht nicht darum, dich zu optimieren, sondern zu verstehen, wo du auf deinem Reifungsweg stehst.
Teil 2: Der Rückblick als Standortbestimmung
Durch bewusstes Zurückschauen erkennst du, wo du stehst. Der Rückblick zeigt dir, was sich verändert hat und was das über deinen aktuellen Standort aussagt.
Teil 3: Innere Ausrichtung statt Jahresplanung
Aus der Standortbestimmung heraus entwickelst du eine innere Ausrichtung: Wohin will ich mich entwickeln? Nicht als Plan, sondern als innere Entwicklungsrichtung.
Diese drei Schritte bilden eine Einheit: Verstehen, wo du stehst. Erkennen, wo du herkommst. Spüren, wohin du willst.
Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Selbstführung.
👉 Hier findest du die Themenseite „Selbstführung – Orientierung für einen bewussten Umgang mit dir selbst“
Danke,
dass du diese drei Schritte mit mir gegangen bist. Es freut mich, wenn du für dich etwas mitnehmen konntest – sei es eine neue Perspektive, eine Frage oder einfach die Erlaubnis, Entwicklung mal anders zu denken.
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Marion Wandke
Seit über 15 Jahren beschäftige ich mich mit der Frage, wie Menschen in komplexen Lebensphasen innerlich klar und handlungsfähig bleiben können. Mich interessieren besonders die Wechselwirkungen zwischen Denken, Fühlen und Körperwahrnehmung – dort, wo Selbstregulation gefordert ist.
Ich arbeite heute als Resilienz-Coachin mit Fokus auf humanistischer Psychologie und Psychotherapie, Neurowissenschaften und Embodiment. Mein Schwerpunkt liegt auf Selbstführung und Selbstregulation als Schlüsselkompetenz. Ich bin überzeugt, dass echte innere Stärke aus Klarheit, Werteorientierung und Selbstführung entsteht.
